taa-Newsletter Juli 2011
Auf diesen Seiten können Sie den taa-Newsletter 39 vom 15.07.2011 lesen.
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Leben Sie noch oder posten Sie schon?
Pods, Pads, Smart Phones und Apps – wo führt das alles hin? Vor 20 Jahren sahen wir im Fernsehen Filme und Dokumentationen, die die Jahrtausendwende heraufbeschworen. Gruselige Menschen in Metallanzügen schwebten mit ihren komischen Vehikeln durch dreidimensionale Städte. Damals Science-Fiction, heute Realität? Die Städte sehen „fast“ gleich aus, aber die Menschen: keine schimmernden Metallanzüge, dafür aber immer in gebückter Haltung, konzentriert auf ein Handy oder einen PC, Stöpsel in den Ohren – abgeschottet von der Außenwelt, wie ferngesteuert.
Dass nun übermächtige Konzerne jederzeit wissen, wo man sich aufhält, mit wem man befreundet ist und welche Vorlieben man hat, erinnert an die Prophezeiungen George Orwells in „1984“, die totale Überwachung und die Gedankenpolizei. In den Filmen der 70er-Jahre hing die „Welt am Draht“ oder wurde von einem imaginären Computer gesteuert wie der Mensch THX 1138 bei George Lucas.
In den Science-Fiction-Filmen haben die Leute wenigstens noch miteinander geredet. Heute postet man oder simst, E-Mail ist schon lange out, WhatsApp ist dran. Obwohl der Mitteilungsbedarf meiner Nachgeneration enorm gestiegen ist, berichtet man von seinen neuesten Tätigkeiten nicht mehr analog und persönlich – so wie früher – sondern virtuell, in digitaler Form. Alle Welt soll heutzutage wissen, wann man wo auf der Couch liegt – natürlich inklusive Bild vom Smartphone –, und jeder kann das kommentieren: Finde ich gut! Mister X postet im Internet auf Facebook: Ich liege gerade auf der Couch – acht Leute klicken an: Das finde ich gut. Acht Leuten gefällt, dass Mister X auf der Couch liegt – was soll das?
Na ja, das ist jetzt aber schon extrem. Denn was wäre unsere Gegenwart ohne Internet, ohne Smartphones und all das nützliche Spielzeug? Stimmt, wenn es der Wirtschaft gut geht, entwickeln sich auch die technischen Möglichkeiten rasant weiter. Kreativität ist angesagt. Gerade bei uns in der Reisebranche lautet das Motto:
Fast forward! Die letzte Wirtschaftskrise wird einfach weggeappt Beispielsweise war Google früher „nur“ eine Suchmaschine – sehr praktisch. Jetzt kann man über Google schon seine komplette Urlaubsreise buchen. Und gratis dazu: Bilder und Videos vom Hotel und viele Bewertungen von schon „dort gewesenen“ obendrein. Würden Sie ein Hotel mit 100 schlechten Bewertungen buchen? Früher gab´s so etwas nicht. Da hatte eben die Reklamationsabteilung des Veranstalters noch etwas zu tun.
Onlinebuchungstools, Check-in per Smartphone, Prozessautomatisierung und Datenschnittstellen, Reise-Apps direkt vom Leistungsträger – alte Jobs gehen, neue Jobs werden kreiert. „Telkos“ per Skype und Pizza per iPhone, ein „App Gottes“ gibt´s auch schon. Wir sitzen in einer technischen Zwickmühle! Unsere Aufgabe ist es jetzt, die Neuheiten, die wie Sternschnuppen das Firmament erhellen, auf Tauglichkeit und Einsatzfähigkeit zu prüfen.
Und langsam dämmert uns, dass die alten Filme in einem Punkt Unrecht hatten: dass nämlich die Menschen, die in den frühen Filmen wie eine stupide Hammelherde wirken, heute nicht vom großen Bruder Computer gesteuert werden. Vielmehr ist es ein Schwarm. Und der Schwarm sind wir. Der Schwarm besteht aus Millionen unserer Klicks, „find ich gut“, „würde ich kaufen“, „kann ich empfehlen“. Wollen wir das? Wie gut tut es da, im Reisebüro einmal wieder persönlich, menschlich angesprochen und beraten zu werden. Ganz analog.
Wir achten auf unsere Individualität.
Aber immer schön innerhalb des
Mainstreams und vorgegebener Räume.
Ein Leben in Schablonen.
Silke Stollberg, Gudrun Wünsche
Das ultimative Argument des Verkäufers bei unschlüssigen Kunden lautete „das wird gerne gekauft“. Heute zählt die pauschalierte Bewertung anderer Kunden.
Mit jedem Klick schärfen wir unser Profil und bekommen ungefragt (nur) das Passende dazu:



